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AUSZÜGE AUS: BOLLES TAGEBUCH 
Bolle war als neues Familienmitglied weder geplant noch die 1. Wahl. Wie die ganze Geschichte anfing und wie sich Bolle im Laufe der ersten Wochen bei uns entwickeln wird, haben wir in einem Tagebuch festgehalten.
Wie also kam Bolle zu uns ? In der dritten Woche erreichte uns abends ein Anruf unserer lieben Züchterin Kirsten Wrede. Ihr sei ein Welpenkäufer abhanden gekommen, der aus finanziellen Gründen vom Kauf Abstand nehmen wolle. Da ich vor einiger Zeit unbedarft ihr gegenüber geäussert hatte, dass ich mir einen Welpen, insbesondere einen Sohn von unserem Bodo, gut als weiteres Familienmitglied vorstellen könne (schliesslich waren alle Welpen aus diesem Wurf bereits vergeben, so dass dieses Thema nicht weiter zu vertiefen war), nahm sie mich nun beim Wort und bot uns einen der beiden Rüden an.
Nach einer nächtlichen Bedenkzeit vereinbarten wir für dieselbe Woche ein Treffen in Buxtehude und machten uns mit Bodo gemeinsam auf den langen Weg; dies meiner besseren Hälfte gegenüber unter dem Vorwand, ‘sich die Welpen mal anzuschauen’. Erst vor Ort dämmerte es dann, dass es sich hier um eine Art Kaufentscheidung handelte: ,nicht ob ,sondern wen!’. Dort angekommen stand ich nun recht bald vor der schwierigen Frage: August oder Athos. Ich war gleich ganz eingenommen vom kecken Athos, fühlte er sich doch pudelwohl in meinen Armen. Aber wir wollten ja eine professionelle Entscheidung treffen. Nach einigem Hin und Her mit meinem leicht überfahrenen Mann entschieden wir uns für August aufgrund seiner perfekten Farbzeichnung und der Empfehlung von Kirsten, die August’ Charakter als sehr stabil bezeichnete. Zu Hause wurde dann schon einmal der Familien- und Freundeskreis auf August eingestimmt.
Nach zwei Wochen rief Kirsten nochmals an und berichtete, dass ein leichter Rückbiss bei August zu erwarten sei, so dass ein Zuchtverbot als Möglichkeit ins Auge gefasst werden musste (diese Befürchtung hat sich später nicht bestätigt). Da wir jedoch gern wieder einen Deckrüden heranziehen wollten, traf uns diese Nachricht schwer. Ein weiterer Besuch in der fünften Woche brachte uns der Lösung nicht wirklich nahe, aber nach zwei Tagen war uns klar, dass wir uns hier und heute auf einen Welpen festlegen sollten – aus Fairness an den anderen Käufer, da wir das Vorkaufsrecht bekamen und auch für unser eigenes Seelenwohl. Dieses Mal siegte dann doch der Bauch, und es wurde fest vereinbart, dass Athos (Bolle) zu uns kommen sollte. Nun begann ich die Tage bis zum Übergabetermin in Münster am 20. September, zu zählen.
Bolle ging also im Alter von achteinhalb Wochen mit uns am 20. September um 18.00 Uhr auf große Fahrt über Münster nach Weiterstadt. Keine fünf Minuten im Wagen, war Bolle bereits eingeschlafen und verschlief die Autofahrt bis auf eine kleine Pieselpause.
Der erste Abend mit Bolle verlief wie erwartet angespannt: Immer auf dem Sprung zum Pieseln nach draussen und mit einem Auge bei Bodo, um zu sehen, wie er sich an die neue Situation gewöhnt. Irgendwann waren auch wir erschöpft vom Tag, schlossen alle Türen und überliessen die Hunde sich selbst für die Nacht.
Am Sonntag erwarteten mich zwei Hunde schwanzwedelnd, der eine davon allerdings mit schwer geröteten Augen. Die Nacht lässt sich in etwa folgendermassen rekonstruieren: Klein-Bolle gefiel es nicht in seinem Baby-Körbchen, die grosse Wanne von seinem Kumpel gegenüber sah doch so viel eindrucksvoller aus, also wartete er ab, bis Bodo sich während der Nacht aus seiner Wanne begab und okkupierte diese für den Rest der Nacht. Erschwerend kam im Verlauf der Stunden dann noch hinzu, dass Bolle ein paar Mal in den Flur pieselte, so dass Bodo in den frühen Morgenstunden nur noch ein kleines sauberes Fleckchen direkt an der Tür übrig blieb.
Der Sonntag war warm und sonnig, so dass beide Hunde im Garten tollen konnten. Bodo stand der neuen Situation ein wenig skeptisch gegenüber und sammelte zur Sicherheit erst einmal seine Spielsachen ein, um sie im angemessenen Radius sicher verteidigen zu können.
22.09.2003
Bolle ist ein Satansbraten, seine Lieblingsbeschäftigung besteht darin, seinem Papa hinter her zu jagen und seine scharfen Zähnen in alles zu schlagen, was herunterhängt. Unser lieber ‘alter’ Kerl weiss sich nur durch Flucht den Angriffen zu entkommen. Im übrigen wird Bolle von Bodo ignoriert. Nach dem Motto: Mal abwarten, wie lange sich der Besuch vom Quälgeist noch hinzieht. Irgendwann muss er ja mal wieder Leine ziehen.
23.09.2003
Unser Bolle scharrt bereits nach dem Kötteln - darf es wahr sein?
24.09.03
Erster Werkstattbesuch für Bolle mit Herrchen. Viele laute Geräusche und fremde Menschen. Nach 30 Minuten schläft er trotz Motorgebrüll unter der Hebebühne ein. Am Nachmittag wird dann noch vergeblich versucht, eine Schraube zu zerbeissen und möglichst viele Ölflecken aufzuwischen.
25.09.2003
Pia kommt zu Besuch und bringt Yazoo mit, Bodos erste Liebe. Yazoo hat nun bereits zwei Würfe erfolgreich gemeistert und ist eine erfahrene Lehrerin, die den kecken Bolle recht unsanft mit Knuffen und Tritten in die Schranken verweist. Eine sehr lehrreiche Erfahrung, meinen wir.
27.09.2003
Heute findet die erste Welpenspielstunde bei Trainer Wolf statt. Bolle schaut sich erst einmal alles an, wie er dies auch in der Folgezeit tun wird, und sucht sich dann zielsicher den grössten Gegner, einen 12-Wochen-alten Neufundländerwelpen, zum Raufen. Auf die Frage, wie wir Bodo vor den ständigen Bissen von Bolle schützen können, antwortet Wolf, wir sollten es so laufen lassen ohne einzugreifen. Spätestens in der Pubertät würde Bodo ihn in die Schranken verweisen.
Da Bolle weiterhin Bodos Wanne seinem Welpenkorb vorzieht, haben wir beschlossen, eine zweite, gleich grosse Wanne aufzustellen, so dass beide Hunde beide Schlafmöglichkeiten nutzen können. Es findet nachts nun ein regelmässiger Wannenwechsel statt.
29.09.2003
Die ersten kurzen Spaziergänge hat Bolle bereits an der Leine erfolgreich absolviert. Heute wage ich es: Ausgang an der Leine mit Bodo und Bolle. Es klappt alles recht anständig, die Leinenführerin benötigt allerdings noch etwas Übung im Auseinanderwuseln der Leinen. Der erste Zwischenfall: Wir begegnen dem Spitz aus der Nachbarschaft, den Bodo bislang hoheitsvoll ignorierte. Und mein Grosser setzt plötzlich zum Sprung an. Beschützerinstinkt? Die Anspannung wächst und steigert sich nochmals in der Hauptstrasse beim Passieren der Nachbarshunde an der Grundstückgrenze, denn Bodo beginnt gewohnheitsmässig mit dem Leinezerren, um diese 10 Meter schnell hinter sich zu bringen. Klein-Bolle stolpert hinter uns her, denn hier wird der Bürgersteig sehr schmal und die Autos fahren nah an uns vorbei. Aber auch dies wird gemeistert.
01.10.2003
Bolle wiegt jetzt mit 10 Wochen und 1 Tag 12 Kilo, Schulterhöhe ca. 34 cm.
Das erste gemeinsame Spielen. Bodo und Bolle raufen sich lange um ein Tau-Knäuel. Beide brummeln mit freudig erhobener Rute. Wer sagt’s denn.
06.10.2003
Bolle hustet: Hat er sich auf dem Welpenspielplatz etwas eingefangen? In Darmstadt hat man mehrere Hundeplätze gesperrt aufgrund von Zwingerhusten. Wir gehen das 1. Mal zum Arzt mit ihm. Die Waage beim Arzt zeigt 13,4 kg mit fast 11. Wochen an. Bolle wird homöopathisch behandelt.
10.10.2003
Bolle geht es wieder gut, dafür fängt jetzt Bodo mit dem Husten an. Also werden gleich einmal alle beide zum Arzt gekarrt. Heute wiegt Bolle 13,95 kg. Ich drücke die Daumen, dass sich Bolle nicht wieder bei Bodo ansteckt, da seine Impfung nun langsam fällig wird.
12.10.2003
Beiden Hunden geht es heute wieder besser und so steht der 1. gemeinsame Waldspaziergang für Bolle an: Zunächst nur ein kleines Carré, um ihn nicht zu überfordern.
13.10.2003
Heute morgen geht es Bodo sehr schlecht; aus seiner Nase rinnt ununterbrochen gelblicher zähflüssiger Schleim. Na prima. Bolle und Bodo werden jetzt tagsüber getrennt, und wir hoffen, dass der Impftermin für Bolle eingehalten werden kann.
15.10.2003
Da Wolfgang heute häuslich bleibt, wird Bolle gleich einmal mit auf Tour genommen: Zur Stadtverwaltung für seine Anmeldung, zum Metzger (nun muss er draussen allein auf uns warten) und zur Post. Wir fahren im Pick-up mit Bolle auf meinem Schoss - hat was.
Bolle beherrscht das ‚Sitz’ schon recht gut. Im übrigen lernt er schnell von Bodo: Fährtenlesen, ansatzweise das Bein zu heben beim Pinkeln und die ersten Scharrversuche nach dem grossen Geschäft. Bellen kann er auch schon gut und ausgiebig. Da wir und Bodo immer noch seine Hauptanziehungspunkte sind, reagiert er auf das ‚Komm’ auch immer sehr schnell. Als nächstes muss wohl an der Leinenführung gearbeitet werden. Im Moment rennt er einfach hinter Bodo her und ignoriert dabei die Leine völlig.
17.10.2003
Heute ist Impftag für Bolle. Die Waage zeigt 16 kg. Beim Nachmessen seiner Höhe komme ich auf etwa 40 cm – der Kleine ist recht schnell gewachsen.
26.10.2003
Besuch von Schwester, Schwager und deren Briard-Hündin Tati ist angesagt. Das Mädel war angesichts der männlichen Dominanz zunächst etwas eingeschüchtert, spielte dann aber gern mit Bolle. Unglaublich, dass man einen Abend doch so relativ ruhig mit drei Hunden verbringen kann.
27.10.2003
Mittlerweile trainieren beide bereits regelmässig und häufig für den Nahkampf: Beissen, Zwicken und Ringen stehen auf dem Programm. Heute lag Bodo erstmals unten auf dem Rücken und Bolle turnte zwickend auf ihm herum. Lange ging dies natürlich nicht.
01.11.2003
Die vorletzte Welpenstunde: Bolle hat aufgrund seiner Grösse und Statur mittlerweile Schwierigkeiten, ihm ebenbürtige Spielkameraden zu finden; so langweilt er sich halt ein bisschen und stromert auf dem Gelände herum anstatt mit den anderen Welpen zu spielen.
Heute habe ich auch das längst fällige Wiegen nachgeholt: 19,5 kg.
05.11.2003
Das Clickertraining bei Trainer Wolf war sehr erfolgreich: Sitz, Down - Sitz – Down, Komm – alles perfekt, zur Belohnung gab es Käsestückchen.
Wolfgang und ich haben heute festgestellt, dass Bolle doch noch ein hübscher Kerl werden kann! Dazu muss ich vorausschicken, dass er im Alter von 8-12 Wochen aufgrund seiner hohen Hüftknochen und seines nun doch in Relation zum Körper kleinen Kopfes irgendwie ‚verbaut’ aussah. Die hohen Hüftknochen sind nicht mehr zu sehen, sein Hinterkopf ist breiter geworden und der Fang länger. Wird aus dem hässlichen Entlein doch noch ein schöner Schwan?
11.11.2003
Bolle hat seinen zweiten Impftermin, den Wolfgang wahrnimmt, vielleicht sollte ich sagen ‚zum Glück’, denn anscheinend hat er schwer Randale gemacht als Herr Bauch seine Ohren ansehen wollte. Diese sind leicht gerötet – also steht in Kürze ein nochmaliger Tierarztbesuch an. Die Waage beim Arzt zeigte 21 kg.
16.11.2003
Ein sonntäglicher Morgenspaziergang mit beiden Hunden und kleinem Malheur. Bolle rutscht bauchlings in einen Bach und kommt klitschnass wieder hoch. Die Stegüberquerung erscheint nun ein zu grosses Wagnis, aber mit ein paar Leckerchen bekomme ich ihn doch noch hinübergelockt.
Bolles Schulterhöhe liegt heute bei 53cm, Gewicht 23kg.
23.11.2003
Bolle ist ausgerissen! Unterm Hoftor quasi durchgeflossen, begab er sich auf Wanderschaft zum Nachbarhund zwei Häuser weiter. Zum Glück haben ihn nette Nachbarn ‘von der Strasse aufgelesen’ und zurückgebracht. Unser Schreck setzte erst später ein.
Beim Spaziergang mit Bodo macht er auf Musterhund: Er bleibt in der Nähe und kommt umgehend auf Abruf. Ausser, Bodo und er spielen Fangen – aber da können wir uns zum Glück auf unseren Grossen verlassen, der Bolle immer verlässlich wieder zu uns bringt.
28.11.2003
Es ist Bolles erster Junghunde-Ausbildungstag. Die Resonanz ist aufgrund des kalten und regnerischen Wetters nicht besonders gut; wir sind mit zwei kleinen Hunden vor Ort. Wolf, unser Trainer, wacht über jeden Fehltritt. Geübt wird ‚bei Fuss gehen’, d.h. Bolle links von mir, sobald er ‘bei Fuss’ ist, wird auch ‚Fuss’ gesagt und im Verlauf des Gehens mit aufmunternden Worten und Leckerchen bei Fuss gehalten. Er macht dies ganz wunderbar. Mein Ehrgeiz ist natürlich geweckt, und ich nehme mir vor, täglich die empfohlenen fünf Minuten Training einzuhalten.
31.11.2003
Nach einigem guten Zureden habe ich meinen Mann nun endlich in den Wald bekommen. Das Wetter ist genau so, wie es eben nicht sein sollte: Nieselregen und Kälte. Mein Mann muffelt, der Rest ist hellauf begeistert. Bolle, unser kleiner Wiesel, schlägt sich wacker: Papa ist in der Nähe, passieren kann mir also nichts, ‚na, dann schauen wir mal, was hier alles so interessant riecht’. Bolle macht sich wirklich gut: Er kommt sofort, sobald man ihn ruft und geht auch sonst nicht sehr weit weg von uns. Zwischendurch übe ich das ‚bei Fuss gehen’. Klappt doch!
02.12.2003
Bolle wiegt heute 25 kg, Schulterhöhe immer noch bei 53cm – und er ist doch ein Appenzeller!
Heute war er auf grosser Tour: Stadtgang in Darmstadt, Café trinken, Media Markt und zum krönenden Abschluss gab es den ersten ‚echten’ Knochen direkt vom Metzger.
19.12.2003
Kirsten rief die Tage an, und ich versuchte, ihr ein Gesamtbild von Bolle zu geben. Am einfachsten gelingt dies zur Zeit, in dem man alle ‚negativen’ Merkmale der beiden Elternpaare zusammenzählt. Die offenen Lefzen vom Papa, die nach rechts abgedrehte Rute von der Mama – und dann blieb noch die Frage offen, ob Bolle seine Hinterläufe nach aussen dreht (kuh-hessisch steht) - tut er, so das Urteil unseres Hundetrainers. Na bravo.
Natürlich gibt es auch eine Menge positiver Dinge zu berichten. Bolle ist sicherlich sehr viel flinker und cleverer als der Papa, selbst wenn wir für uns verbuchen, dass unsere Erfahrungen in Sachen Hundeerziehung im Laufe der Zeit zugenommen haben. Im Hundekurs ist er der Vorzeigehund: Neue Dinge lernt er schnell und mittlerweile kann man mit ihm schon ein wenig angeben. Fuss an der Leine (solange Papa nicht dabei ist oder eine andere Ablenkung lockt) funktioniert gut. ‚Sitz’ an der Leine auch bestens, die 180 Grad Kehrwendung ist als Übung schon fast zu einfach, das Vorsitzen mit anschliessender Halbkurve zum Sitz neben Frauchen klappt bestens. Die Sache mit dem ‚Down’ bedarf allerdings noch der Übung. Bolle ist, um es auf einen Nenner zu bringen, zur Zeit einfach ein ganz liebenswerter und lustiger Kerl.
24.12.2003
Mittlerweile ist er auf 57 cm herangewachsen. Wir konnten heute sein Gewicht zum letzten Mal auf unserer Waage feststellen, da Herrchen und unser Mini zusammen die 120 kg Höchstgewicht erreichten. Es sei also festgestellt, dass Bolle > 30kg wiegt.
25.12.2003
Diese Geschichte kenne ich nur aus der Erzählung, da ich bereits tief schlafend abgemeldet war. Henk, mein Schwager, und Wolfgang berichten, dass Bolle sich zu frühmorgendlicher Stunde gegen 2 oder 3 Uhr nach oben geschlichen haben muss. Anscheinend gab es aber dort oben nichts Aufregendes zu erleben, so dass Klein-Bolle in Eigenregie den Treppenabstieg in Angriff nahm. Der obere Treppenabsatz wurde scheinbar noch einigermassen koordiniert absolviert, aber dann gab es wohl einen Kurzschluss zwischen Hirn und Untergestell, die untere Treppenhälfte wurde jedenfalls im Sturzflug und auf allen Vieren genommen. Und was macht Bolle? Schüttelt sich und verzieht sich in die Wanne. Das ist unser Bolle.
28.12.2003
Bolle bekam heute seine erste Zwangsdusche verpasst; er hat es tapfer über sich ergehen lassen. Vorausgegangen war jenes Ereignis, welches wir immer erschrocken antipiziert, aber durch aufmerksame Warnrufe bislang vermeiden konnten: Bodo sandte einen dicken Strahl Urin auf Bolles Kopf. Ich habe zu Hause allerdings bewusst verschwiegen, dass Bolle sich daraufhin mit einem Strahl Urin auf Bodos Vorderläufe revanchierte, da ich der Meinung war, ein Duscherlebnis pro Tag sei für diesen Sonntag ausreichend Stress. Im übrigen haben wir, obwohl wir uns für einen Faulenzertag entschieden hatten, irgendwie doch genug zu tun. Die Punkte gehen wohl an unsere beiden Jungs: ausgedehnter Spaziergang mit den üblichen Kämpfen, beide irgendwie anständig an der Leine zu führen, Bolles über den Hof verstreute Kötteleien einzusammeln, bürsten, den Boden fegen und ab und zu lenkend einzuschreiten, wenn die Kämpfe im Haus zu wild werden.
16.01.2004
Bolle hat seit fast zwei Wochen Durchfall. Jetzt geht es zum Arzt. Er wird auf Diät gesetzt mit Nudeln und Gemüsebrühe sowie Reis und Möhren. Vor allem die Nudeln scheinen gut zu schmecken. Heute wiegt Bolle 34 kg, wobei er ein paar Kilos aufgrund des Durchfalls abgenommen haben dürfte.
19.01.2004
Bolle ist heute 63 cm hoch; immer noch zu klein, finden wir. 
Ich bin mit ihm nach Weiterstadt gefahren, um den Stadtgang zu üben, aber die Passanten machten meinen Erziehungsansätzen ein schnelles Ende: Es gab Knuddeleinheiten und sonstige lustige Bemerkungen ‚bei Schnee wollte ich mich auf nicht auf den Popo setzen müssen’.
Hier endet nun das Tagebuch mit dem ersten halben Jahr von Bolle. Die darauffolgende Zeit war ausgefüllt mit vielen Erfolgen und noch mehr Rückschlägen in der Hundeerziehung, wie sie bei sturen Schweizern eben so üblich sind. Aber ein kleines Stückchen geht es immer wieder vorwärts.
Bolle hat ein Schultermass von 69 cm erreicht und ist ein wahrlich hübscher Kerl geworden, was durch seine Ausstellungserfolge immer wieder bestätigt wird:
‘Ein grösserer, harmonisch proportionierter, substanzvoller Rüde mit korrekter Zeichnung und glänzender Behaarung, ausdrucksvoller Rüdenkopf mit etwas schwerer Belefzung, sehr gut eingesetzten, dunkelbraunen Augen, gut geformte Brust, tadellose obere und untere Linie, paralleler Stand der kräftigen Laufknochen. Harmonisch koordinierter, raumschaffender Bewegungsablauf. Souveränes Verhalten.’ Da kann man nicht meckern.
Wären wir aufgefordert, die drei wichtigsten Merkmale von Bolle aufzuführen, so wäre zum einen sein sonniges Gemüt und seine Menschenverbundenheit zu nennen, beides übrigens (s. Tagebuch) bereits als Welpe sichtbar. Des weiteren seine Schnelligkeit und sein kraftvolles Laufvermögen, so dass er bislang bei jedem Laufwettkampf unserer Labi-Nachbarshunde mithalten konnte. Und zuletzt - und da klopfen wir dreimal auf Holz - seine robuste Gesundheit. Tierarztbesuche konnten wir bislang auf ein Minimum beschränken.
Bolle bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem schnellen Lauf.

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